Studie untersucht Praxis der Arbeitsverwaltung

27. Mai 2009

Vermittlungsgespräche in Arbeitsagenturen folgen oft einem einfachen, standardisierten Schema. Das gilt insbesondere für die „Erstberatungsgespräche“ der Arbeitnehmer, die sich vor Beginn ihrer Arbeitslosigkeit bei ihrer Agentur für Arbeit melden müssen. Die Arbeitsvermittler sollen sich dabei an ein zentral vorgegebenes Ablaufschema und Gesprächsraster halten. Darin bleibt kaum Raum, die individuellen Voraussetzungen, Probleme, Bedürfnisse und Erwartungen der Rat- und Hilfesuchenden aufzugreifen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Untersuchung.* In der Praxis gelingt es einem Teil der Vermittler dennoch, sich individuell mit Bedürfnissen und Fähigkeiten ihrer „Kunden“ zu befassen.

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Ein Arbeitsleben mit Niedriglohn reicht nicht für die Rente!

14. Mai 2009

Ein durchschnittlicher Niedriglohnbeschäftigter hat keine Chance, mit seinen Beiträgen eine Rente über der Grundsicherung zu erzielen – auch nicht mit 45 Beitragsjahren.

WSI-Tarifexperte Thorsten Schulten zeigt in einer neuen Analyse: Durch die Rentennovellen der vergangenen Jahre ist das Rentenniveau im Vergleich zum Lohnniveau abgesenkt worden. Zudem stiegen die Löhne im vergangenen Jahrzehnt nur relativ langsam – deutlich weniger als die Kapital- und Vermögenseinkommen. So sind „auch die Renten hinter der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung zurückgeblieben“, schreibt der Wissenschaftler.

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Deutsche zweifeln an Chancengleichheit

19. März 2009

Ein großer Teil der Bevölkerung ist nicht der Ansicht, dass Reichtum vor allem eine Folge von Fleiß und Begabung ist. Am ehesten glauben diejenigen daran, denen es selbst gut geht.

Wie sind die Reichen reich geworden – durch Arbeit oder eher durch Vitamin B? Forscher des Frankfurter Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) haben die Bevölkerung nach ihrer Meinung gefragt. Die Antworten zeigen, wie weit die Realität in den Augen der Befragten von den Idealen Leistungsgerechtigkeit und Chancengleichheit entfernt ist: Über 80 Prozent gaben an, Beziehungen „zu den richtigen Leuten“ seien eine Ursache für Reichtum. Nur gut die Hälfte zählte harte Arbeit zu den entscheidenden Faktoren. Beinahe genauso viele nannten Unehrlichkeit als Grund.

WSI: Privatisierung schwächt Flächentarife

6. Februar 2009
Seit den 1990er-Jahren hat die Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen nicht nur gut 600.000 Jobs gekostet. Auch Bezahlung und Arbeitsbedingungen haben sich verschlechtert.

Zahlreiche Branchen werden vom Tarifwerk des öffentlichen Dienstes abgekoppelt, ohne dass neue Branchentarifverträge entstehen. Dies ist das Ergebnis einer Studie der WSI-Forscher Torsten Brandt und Thorsten Schulten. Nach der Öffnung der Märkte für öffentliche Dienstleistungen bekamen vormalige Monopolisten Konkurrenz. Die neuen Anbieter sind in der Regel jedoch nicht an die bestehenden Tarifstrukturen gebunden. Sie haben meist Haus- oder gar keine Tarifverträge. Der Konkurrenzdruck wirkt auch zurück auf die ehemaligen Monopolisten. Eine Zusammenstellung der Wissenschaftler zeigt, wie das Tarifgefüge ausfranst.Um den Arbeitskostenwettbewerb zu begrenzen, raten die Experten dazu, wieder einheitliche Arbeits- und Entlohnungsstandards herzustellen. Ein Anfang könnten beispielsweise Branchenmindestlöhne sein. Perspektivisch sollten die heterogenen Tarifstrukturen allerdings durch neue branchenweite Flächentarifverträge beseitigt werden, so Brandt und Schulten.

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WSI: Deutschland hinkt bei Arbeits- und Arbeitsmarktbedingungen hinter Nordeuropa her

23. Januar 2009

Die Arbeits- und Arbeitsmarktbedingungen in den nordischen Ländern sind deutlich besser als in Deutschland. Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen schneiden beispielsweise bei der Arbeitsplatzsicherheit, bei Qualifizierungsmöglichkeiten, beim Informationsfluss im Unternehmen oder der Führungsqualität von Vorgesetzten klar besser ab als die Bundesrepublik.

Der Vorsprung der Nordeuropäer zeigt sich für männliche wie für weibliche Beschäftigte. Besonders groß fällt er bei so genannten „atypischen“ Beschäftigungsverhältnissen aus, zum Beispiel bei Leiharbeit oder befristeten Stellen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Untersuchung von Dr. Hartmut Seifert und Dr. Dr. Andranik Tangian, Forscher am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. Sie erscheint in der aktuellen Ausgabe der WSI Mitteilungen, die sich schwerpunktmäßig mit der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung im „nordischen Modell“ befasst.*

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Vermögen in Deutschland zunehmend ungleich verteilt

21. Januar 2009

Die Ungleichheit bei der Vermögensverteilung in Deutschland ist in den letzten Jahren weiter gewachsen. Bei Anrechnung aller Verbindlichkeiten verfügte das wohlhabendste Zehntel der erwachsenen Bevölkerung im Jahr 2007 über 61,1 Prozent des privaten Vermögens. 2002 waren es noch 57,9 Prozent.

Auf das reichste Hundertstel konzentrieren sich allein knapp 23 Prozent des Nettovermögens. Dagegen besaßen die weniger wohlhabenden 70 Prozent der Erwachsenen 2007 nur knapp neun Prozent des gesamten Nettovermögens – rund 1,5 Prozentpunkte weniger als 2002. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Untersuchung von PD Dr. Joachim R. Frick und Dr. Markus M. Grabka.

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Hartz IV Empfänger fühlen sich ausgegrenzt

7. November 2008

Eine Studie von DGB und Kirchlichem Dienst in der Arbeitswelt offenbart Mängel der Arbeitsmarktreform

Rund 430 Hartz IV Empfänger aus Baden-Württemberg haben für die Studie einen umfangreichen Fragebogen ausgefüllt. In Auftrag gegeben wurde sie von der Hans Böckler Stiftung, dem DGB Landesbezirk Baden-Württemberg sowie dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der Evangelischen Landeskirchen in Baden und in Württemberg. Ziel der Untersuchung war, »die große Zahl erwerbsloser Menschen zu Wort kommen zu lassen und die Aufmerksamkeit auf ihre Lebenslage zu lenken.«

Tatsächlich bringt die Studie zu Tage, dass sich 90 Prozent der Befragten in einer finanziellen Notlage sehen. Dies wirkt sich auch belastend auf familiäre und soziale Beziehungen aus. So gaben 67 Prozent der Umfrageteilnehmer an, dass ihre Partnerschaft durch die Arbeitslosigkeit »ziemlich oder stark belastet« werde, über die Hälfte klagte über den Verlust der Lebensfreude.

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Lohnverzicht: Nutzen für den Arbeitsmarkt unbewiesen

2. Oktober 2008

Erhöht Lohnzurückhaltung die Beschäftigung? Allgemein gültige Belege für diese häufig vertretene These gibt es nicht.

Veränderungen des Lohnniveaus haben Auswirkungen auf den Beschäftigungsstand. Was die Sache kompliziert macht: Sie lösen gegenläufige Effekte aus. So erlauben sinkende oder stagnierende Löhne den Exporteuren, mit preisgünstigen Produkten größere Marktanteile zu erobern und mehr Leute einzustellen. Wer seine Produkte im Inland verkauft, leidet dagegen unter der Geldknappheit der Verbraucher und wird eher Stellen streichen. Die entscheidende Frage ist, welcher Effekt überwiegt.

Familienarmut: Die Kinder kommen zuerst

18. September 2008

Eine Studie im Auftrag der Stadt Nürnberg gibt Einblicke in die Lebenssituation von Sozialleis­tungsempfängern mit Kindern. Ein Ergebnis: Die große Mehrheit der Eltern gibt sich alle Mühe, dass der Nachwuchs möglichst wenig unter ihrer Geldnot leidet.

Grundsicherungsleistungen für Familien sind knapp bemessen. Für Kinder bedeutet das: weniger Kultur- und Freizeitaktivitäten als Gleichaltrige, Spielzeug, Bücher, nicht zuletzt geringere Bildungschancen, weil es an bezahlbaren Nachhilfeangeboten fehlt – oder einfach an einem ruhigen Ort für die Hausaufgaben. Der Soziologie-Professor Werner Wüstendörfer hat untersucht, wie Eltern, die Grundsicherung oder andere existenzsichernde Sozialleistungen beziehen, mit ihrem wenigen Geld zurechtkommen.

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Mehr als 80 Prozent wollen Kündigungsschutz stärken oder unverändert beibehalten

16. September 2008

Die große Mehrheit der Arbeitnehmer und der Erwerbslosen in Deutschland hält den gesetzlichen Kündigungsschutz für unverzichtbar: 55 Prozent möchten die bestehenden Regelungen behalten, weitere 27 Prozent wollen sie stärken. Arbeitslose plädieren sogar zu einem guten Drittel für einen Ausbau des Kündigungsschutzes. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung.

„Sollte man den gesetzlichen Kündigungsschutz weiter ausbauen, unverändert beibehalten, eher einschränken oder ganz abschaffen“, fragte das Meinungsforschungsinstitut polis + sinus im April und Mai dieses Jahres mehr als 2.000 repräsentativ ausgewählte Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer und Erwerbslose. Die meisten Befragten sind dagegen, die geltenden Schutzbestimmungen im Arbeitsrecht einzuschränken. Über alle Berufsgruppen hinweg sind die Befürworter des Kündigungsschutzes deutlich in der Mehrheit. Bei den angelernten Arbeitern sprechen sich 46 Prozent sogar für eine weitere Stärkung aus. Unter den höheren Angestellten und Beamten ist der Anteil derer, die Einschränkungen befürworten, zwar am größten. Doch auch hier sind 70 Prozent der Meinung, man solle den aktuellen Kündigungsschutz beibehalten oder noch ausbauen (Alle Daten in einer Infografik zum Download; Link zur Grafik am Fuß dieses Textes).

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HBS: Drei Viertel der Mitglieder des „Steuerzahlerbundes“ sind Unternehmer oder Freiberufler

1. Juli 2008

Der Bund der Steuerzahler erreicht durch medienwirksame, oft symbolisch inszenierte Kritik am Steuersystem, am staatlichen Ausgabenverhalten und an der Finanzierung von Parteien und Parlamenten erhebliche öffentliche Aufmerksamkeit. Der „Steuerzahler-Gedenktag“, die „Schuldenuhr“ und die Vorstellung des „Schwarzbuches“ finden Resonanz. In den vergangenen Jahren hat die Wirkung des Verbandes aber trotz konsequenter Ausrichtung an den Bedürfnissen reichweitenstarker Medien nachgelassen.

Das sind zentrale Ergebnisse einer neuen Untersuchung des Politikwissenschaftlers Dr. Rudolf Speth. Für die Politik sei der Steuerzahlerbund nur bedingt Ansprechpartner, in der Wissenschaft spiele das verbandseigene Karl Bräuer Institut kaum eine Rolle, konstatiert der Privatdozent an der Freien Universität Berlin in einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie. Zudem seien Strukturen und manche Arbeitsweisen des Verbandes wenig transparent. Die Konzentration auf medial leicht vermittelbare „Aufregerthemen“ gehe auf Kosten der Reputation unter Experten. So habe der Verbandsvorsitzende Dr. Karl-Heinz Däke vom Steuerzahlerbund veröffentlichte plakative und scheinbar exakte Zahlen über eine angebliche „Steuerverschwendung“ in Höhe von 30 Milliarden Euro pro Jahr wiederholt relativieren müssen. Mittlerweile erkläre der Steuerzahlerbund, den Umfang von „Steuerverschwendung“ nicht beziffern zu können.

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