ver.di Hamburg: Lohnstatistik enthüllt massive Diskriminierung in Hamburg

ver.di fordert Frauen-Arbeitsmarktpolitik.

Frauen verdienen immer noch deutlich schlechter als Männer. Das geht aus der jüngsten Berechnung des Statistikamtes Nord hervor. Vollzeitbeschäftigte Männer erzielten in Hamburg demnach durchschnittlich 3732 Euro im Monat, vollzeitbeschäftigte Frauen nur 2898 Euro. Arbeitnehmerinnen mit Hochschulstudium verdienten 4242 Euro – 24 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Agnes Schreieder, ver.di-Vizechefin in Hamburg, erklärt dazu: „Diese Zahlen trügen nicht: Frauen stehen in der Arbeitswelt immer noch deutlich schlechter da. Sie werden bei der Entlohnung und in ihrem beruflichen Aufstieg mit einem Malus bestraft, obwohl sie oft Familienarbeit und Beruf, Kind und Job erfolgreich unter einen Hut bekommen.

Ich erwarte, dass die Politiker nun endlich handeln: Die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten muss gestärkt und insbesondere in der privaten Wirtschaft mit mehr Rechten ausgestattet werden. In Norwegen etwa müssen alle börsennotierten norwegischen Aktiengesellschaften 40 Prozent ihrer Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzt haben – allen Unternehmen, die die Frauenquote verfehlen, drohen drakonische Strafen. Deutschland sollte sich daran ein Beispiel nehmen. Denn wenn Frauen endlich zahlreich in Führungspositionen der Wirtschaft kommen, würde sich überall in der Arbeitswelt etwas ändern.

Die Durchschnittslöhne der Frauen sind auch deshalb so niedrig, weil viele im Teilzeit- und Niedriglohnsektor tätig sind. Sie werden besonders häufig in der Kinderbetreuung, Kranken- und Altenpflege sowie in gering entlohnten und weniger anerkannten Jobs in Büro, Industrie und Gewerbe eingesetzt. Nötig ist eine Frauen-Arbeitsmarktpolitik, die es weiblichen Arbeitnehmern ermöglicht, in Männer-Domänen vorzudringen. Dazu gehören Qualifizierungsprogramme und Mentoren, aber auch gesetzliche Leitlinien, die Diskriminierung von Teilzeitbeschäftigten und Mitarbeitern in befristeten Arbeitsverhältnissen verhindern – inklusive einem gesetzlichen Mindestlohn. Wichtig sind auch eine sichere und kostenbefreite Kinderbetreuung, gerechte Rentenregelungen sowie ein dichter öffentlicher Nahverkehr, um Frauen die Ausübung ihres Berufs zu erleichtern.

Auch in den Gewerkschaften setzen sich Frauen bei der Tarifarbeit für Gleichstellung ein. Frauenrechte müssen in unserer Gesellschaft insgesamt wieder stärker beachtet werden, denn die von uns geforderten Ziele sind noch lange nicht erreicht. Deshalb ist es auch nötig, dass es in Hamburg wieder eine mit wirksamen Rechten ausgestattete Gleichstellungsbeauftragte gibt.“

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