Hapag-Lloyd gehört zu Hamburg!
Der Betriebsrat der größten deutschen Reederei, Hapag-Lloyd in Hamburg, hat Bevölkerung, Politik und Wirtschaft in der Hansestadt zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung zum Erhalt des Unternehmens am Standort Hamburg aufgerufen. Die Belegschaft wird dazu auch Unterschriften auf Hamburgs Straßen sammeln und ein Solidaritätsfest vorbereiten. Härtere Kampfmaßnahmen im In- und Ausland sollen folgen. Nach Informationen des Betriebsrates ist ein Blitzverkauf geplant, der bereits im Herbst abgeschlossen sein soll.
„Die Großaktionäre der TUI wollen Kasse machen, ohne Rücksicht auf die Belegschaft und die Volkswirtschaft. Hapag-Lloyd darf nicht Heuschrecken oder strategischen Investoren zum Opfer fallen, die das Unternehmen nur zum Zweck kurzfristiger Maximalrenditen erwerben würden. 7500 Arbeitsplätze weltweit, davon 3000 in Deutschland, wären in Gefahr, wenn das Unternehmen seine Eigenständigkeit verlieren und von einem Mitbewerber auf dem Markt kontrolliert würde. Diese Übernahme muss verhindert werden. Wir bitten die Bevölkerung, Politik und Wirtschaft Hamburgs um ihre Unterstützung, um eine ‚Hamburger Lösung‘ beim Verkauf unserer Firma möglich zu machen. Hamburg, das Tor zur Welt und eine der reichsten Städte Europas, muss in der Lage sein, seine große Reederei vor der Zerstörung zu schützen. Hamburg ohne Hapag-Lloyd – das wäre wie ein Hafen ohne Schiffe“, sagte Dieter Lübkemann, (Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Hapag-Lloyd AG.) Seit mehr als 160 Jahren sei Hapag-Lloyd mit dem Aufstieg der Stadt zu einer weltoffenen und starken Handelsmetropole verbunden.
Der Verkaufsprospekt des Unternehmensvorstandes liegt bereits potenziellen Interessenten vor, darunter Reedereien in Singapur, Hongkong und Tokio. Einigen Pressemeldungen zufolge räumt die TUI den potenziellen Käufern die Möglichkeit ein, die Reederei ohne ihre Immobilien zu übernehmen.
„Dies könnte ausländischen Investoren die Möglichkeit einräumen, auf eine Zentrale in Hamburg zu verzichten. Dann wären viele Arbeitsplätze und auch die fast 300 Ausbildungsplätze an Land und auf See stark gefährdet“, so Lübkemann.
Er kündigte Gespräche mit dem Senat und den Parteien an und forderte Senat, Banken und Kapitalgeber in Hamburg auf, sich in einem Konsortium um den Kauf des Unternehmens zu bemühen. Die Politik dürfe eine Beseitigung der größten deutschen Reederei nicht hinnehmen.
Oliver Bringe (Seebetriebsratsvorsitzender Hapag-Lloyd): „Die Seeleute sind in Brass, die Hafenarbeiter sind es auch. Als erstes sichtbares Zeichen des Protest der Belegschaft haben Betriebsräte die ‚Shanghai Express‘ beim Einlaufen in den Hafen ‚geentert‘ und außenbords ein Transparent befestigt mit der Aufschrift ‚Hapag-Lloyd gehört zu Hamburg – Wir zeigen Flagge. Kein Verkauf ins Ausland‘. Das aber war erst der Anfang. Wir werden den Kaufinteressenten klar machen, dass sie keine Freude an dieser Firma haben werden, wenn sie den Standort Hamburg ausbluten lassen. Ein Verkauf ohne Rücksicht auf Politik und Arbeitsplätze hieße auch, dass der Staat seine Subventionen vom neuen Eigner zurückfordern müsste.“
Martina Neumann (Betriebsratsmitglied Hapag-Lloyd AG): „Fast alle Kolleginnen und Kollegen haben den Aufruf zum Erhalt des Unternehmens am Standort Hamburg unterschrieben. Wir sind ein weltoffenes Unternehmen, und wir kämpfen auch für die Hapag-Lloyd-Beschäftigten im Ausland. Wir lassen uns nicht einfach von der Landkarte streichen. Hapag-Lloyd vereint ein riesiges Know-How der maritimen Wirtschaft, in der Logistik, Nautik und weiteren Zukunftsfeldern. Das darf nicht kaputt gemacht werden.“
Rüdiger Herrmann (Betriebsratsmitglied Hapag-Lloyd AG): „Hapag-Lloyd ist hochprofitabel. Es gibt überhaupt keinen Grund, dieses Schmuckstück der Hamburger Wirtschaft auf den Tresen zu legen. Unter einem Verkauf würden auch andere Teile der Logistikkette leiden. Deshalb wird bei unserem Protest die Solidarität des gesamten Hafens gefragt sein.“
Dietmar Stretz (ver.di-Fachbereichsleiter Ver-kehr): „Hapag-Lloyd darf nicht an ausländische Investoren verkauft werden. Hamburg als Motor der maritimen Wirtschaft braucht seine große Reederei. Diese Stadt wird nicht vergessen, welche Impulse sie über Jahrzehnte von Hapag-Lloyd erhalten hat. Es darf nicht sein, dass ein mit deutschen Steuermitteln gefördertes und strategisch bedeutsames Unternehmen nun seine Profite für Investoren einfährt, denen die Arbeitsplätze hier völlig egal sind. Hapag-Lloyd war immer ein Vorbild, weil es den Versuchungen einer totalen Ausflaggung widerstanden hat. Ein Verkauf mit der Beseitigung der Unternehmenszentrale und ihrer Arbeitsplätze wäre ein schwerer Schaden für Hamburg. Bürger, Senat, Parteien und Hamburgs Wirtschaft müssen ihn gemeinsam abwenden. Als Gewerkschaft sind wir darauf vorbereitet, dass dazu härtere und lang andauernde Kampfmaßnahmen nötig sein werden.“






