Dem Warnstreik-Aufruf von ver.di für einen Tarifabschluss bei p&w folgten heute ca. 200 Beschäftigte aus vier Hamburger Senioren Centren. Bereits Ende Mai hatten sich ver.di und die Geschäftsführung auf einen Tarifvertrag geeinigt. Diese Einigung musste auf Druck der Eigentümer zurückgenommen werden und ein schlechteres Angebot wurde vorgelegt. Daraufhin hatte ver.di das Scheitern der Verhandlungen erklärt.
Auf der heutigen Streikkundgebung um 14 Uhr am Pflegezentrum Uhlenhorst sprach Wolfgang Rose, ver.di Landesleiter, zu den Streikenden der Pflegeheime. Für das Pflegepersonal seien „die Grenzen der Belastbarkeit längst erreicht“, sagte der ver.di-Landeschef. Er forderte Bürgermeister von Beust und Sozialsenator Wersich auf, „sich in den Konflikt einzuschalten und die Schweinereien der privaten Käufer der Pflegeheime zu verhindern – am besten, die Privatisierung wieder rückgängig zu machen“. Rose: „Unsere Ziele lauten: Humane Pflege, humane Arbeitsbedingungen, leistungsgerechte Bezahlung!“
In seiner Rede warnte Rose vor Tarifflucht und Lohndumping, Arbeitsplatzvernichtung und Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich im Pflegesektor und kritisiert die Privatisierungspolitik des Hamburger Senats. Hamburg sei bei den Krankenhäusern zum „deutschen Privatisierungsmeister“ und Deutschland mittlerweile zum Privatisierungsweltmeister geworden. Hamburg als Gemeinwesen dürfe aber nicht „zu einem Unternehmen umfunktioniert werden, in dem Hilfe und Pflege nur noch gewährt werden, wenn damit Geschäfte gemacht werden können“. Auf dem Pflegemarkt solle sich das Recht des Stärkeren durchsetzen, so Rose: „Und der Stärkere ist nicht der mit der höchsten Qualität, sondern der, der seine Beschäftigten am meisten auspresst und damit gegenüber dem Konkurrenten Kosten spart.“ Die Arbeit im Pflegeheim sei in den letzten Jahren immer mehr zum puren Stress geworden: „Die Arbeit ist psychisch und körperlich anstrengend. Pflegende heben heute im Durchschnitt mehr als Bauarbeiter.“ Es sei die einzig wichtige Antwort, dass die Beschäftigten sich wehren: „m Zweifel mit einem Streik.“
Auszüge aus der Rede von Wolfgang Rose:
„Wer in den letzten Monaten und Jahren mitbekommen hat, was in den städtischen Pflegeheimen hier in Hamburg abgeht, der fragt sich schon lange, wieso die Beschäftigten dabei so ruhig geblieben sind. Erst der massive Personalabbau, dann die Privatisierung und jetzt der dreiste Versuch, Euch durch Tarifflucht und Lohndumping von der Einkommensentwicklung im öffentlichen Dienst abzukoppeln: Ich freue mich, dass Ihr heute ein öffentliches Zeichen setzt, dass Ihr Euch das nicht mehr gefallen lassen wollt, sondern Euch zur Wehr setzt.“
„Ebenso wie Gesundheit, Bildung, Wohnen, Energieversorgung und andere Bereiche der Daseinsvorsorge darf auch das Altern keine Ware sein. Kein Shareholder, keine Heuschrecke darf das Recht haben, mit der notwendigen Hilfe, Betreuung und Pflege seine Profite erzielen. Altenpflege muss in einer zivilisierten und humanen Gesellschaft eine Aufgabe der öffentlichen Daseinsvorsorge sein und bleiben.“
„In der ambulanten Pflege haben wir bereits die Situation, dass der Anteil der kommerziellen Anbieter gegenüber den gemeinnützigen von früher 20 Prozent auf jetzt 80 Prozent gewachsen ist. Und entsprechend steigt auch der Anteil der Billiglöhner bei den Beschäftigten. Diese Entwicklung soll jetzt offensichtlich auch im stationären Bereich eingeleitet werden. Und die Politik stellt sich ahnungslos daneben und tut so, als ob sie damit nichts zu tun hat.“






